Regionen Verlag

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Urlaub im Land der Gauchos

Reiten und Abenteuer auf einer Farm am Río Corriente im Norden Argentiniens. Die 4 000 Hektar große Farm “Estancia Buena Vista” am Rio Corriente liegt im Süden der argentinischen Provinz Corrientes, rund 650 kilometer nördlich der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, macht Träume von Urlaubern war, deren Erfüllung nicht an überfüllten Stränden und noblen Hotels zu finden ist.
Wer das Leben auf einer traditioneller Farm mit modernem Komfort kennen lernen möchte ist auf der Estancia Buena Vista genau richtig.
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Politik

Der Tod an der Wolga

Wolfgang Nagorske

 

Am 3. Februar 1943 startete Leutnant Herbert Kuntz zu einem Versorgungsflug über Stalingrad. Ihm bot sich vom eisig kalten Winterhimmel ein desaströser Blick in den Abgrund. Er konnte keine deutschen Truppen mehr erkennen. Er war der letzte Versorgungsflieger. Die 6. Armee, die Elite der Wehrmacht, existierte nicht mehr. In der erbitternsten Schlacht im 2. Weltkrieg fanden von Juli 1942 bis zu jenem 3. Februar 1943 über eine Million Menschen den Tod, die übergroße Mehrzahl russische Zivilisten und Soldaten. Über 150 000 deutsche Soldaten verreckten auf dem Schlachtfeld, 120 000 wurden gefangen genommen, nur 6 000 von ihnen überlebten die Hölle an der Wolga. Sie starben, wie es zynischer nicht hätte formuliert werden können, für Führer, Volk und Vaterland. Der Führer und Verführer Hitler hatte das Massensterben für seine wahnwitzige Idee der Weltherrschaft in Kauf genommen, als er den Vorschlägen seiner Generäle, sich aus Stalingrad zurück zu ziehen, eine kategorische Absage erteilte. Aber auch die Generäle waren in ihrem dünkelhaften Gehorsam gefangen. Eine von der Roten Armee Anfang Januar 1943 angebotene Kapitulation, die zehntausenden Soldaten auf beiden Seiten der Front das Leben gerettet hätten, schlugen sie abrupt aus. Der Oberbefehlshaber Friedrich Paulus funkte am 30. Januar, dem 10. Jahrestag der Machtergreifung Hitlers: „Zum Jahrestage Ihrer Machtübernahme grüßt die 6. Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der hoffnungslosesten Lage nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland siegen. Heil mein Führer! Paulus, Generaloberst.“ Hitler beförderte Paulus noch am selben Tag zum Generalfeldmarschall. Das Ende des Massensterbens war längst eingeläutet.

Als Leutnant Herbert Kuntz zu seinem letzten Versorgungsflug startete, kehrte er mit Proviant und Verbandsmaterial zurück. Es gab keine deutschen Soldaten mehr.

Internationales Forum über Frieden und gegenseitige Verständigung

Wolfgang Nagorske

 

In Wolgograd fand Anfang November 2018 bereits zum fünften Mal der Dialog an der Wolga statt. Diesmal kamen 120 Politiker, Wissenschaftler und Journalisten aus Europa, Asien, den USA und Afrika in die russische Stadt an der Wolga. Einst vom Deutsch-Russischen Forum ins Leben gerufen in einer Zeit der beginnenden politischen Eiszeit zwischen Deutschland und Russland, hat dieser Dialog längst ein multilaterales Format angenommen. Es ist die Sorge, um den Erhalt des Friedens in der Welt, es ist die Sorge um ein erneutes Abgleiten in einen kalten Krieg, der die Völkergemeinschaft nahezu 50 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges prägte mit der permanenten Gefahr eines erneuten Weltbrandes.
Der Ort dieses internationalen Forums ist nicht zufällig gewählt. Stalingrad, wie die Stadt einst hieß, steht für die unvorstellbare Zerstörung und Brutalität eines Krieges. In der Schlacht an der Wolga kamen in nur sieben Monaten während des zweiten Weltkrieges nach neuesten Forschungen über eine Million Menschen ums Leben. Stalingrad steht aber auch für den Widerstand einer Stadt und eines Landes sich dem faschistischen deutschen Aggressor nicht zu unterwerfen. Die deutsche Wehrmacht, die nach den Worten des damaligen britischen Botschafters in Moskau, durch Russland zieht wie ein heißes Messer durch Butter, wurde erstmals vor Moskau zum stehen gebracht. In Stalingrad aber wurde die als unbesiegbar geltende 6. Armee des Generals Paulus nicht nur auf ihrem Vormarsch an die Wolga gestoppt, sie wurde vernichtend geschlagen. Der sowjetische Oberbefehlshaber Stalin sagte nach dem Sieg: „Stalingrad war der Sonnenuntergang der faschistischen deutschen Armee.“ Von der Brutalität und Erbarmungslosigkeit der Kämpfe zeugen Häuserinschriften. „Wir haben keine Patronen mehr, die deutschen haben keine Patronen mehr. Jetzt bleibt uns nur noch das Bajonett.“
In den Diskussionen während des Forums zog sich wie ein roter Faden, welche Anstrengungen unternommen werden können, um ein Zurück in den kalten Krieg zu stoppen und die internationale Zusammenarbeit der Staaten zu stärken. Der Vorsitzende der Wolgograder Stadtverordnetenversammlung Andrey Kosolapow sieht das Schicksal der Stadt Stalingrad als ein Aufruf zum Frieden. „Wir dürfen nicht teilnahmslos zusehen, wie sich das Gift des kalten Krieges wieder ausbreitet. Vom kalten Krieg profitieren nur wenige, von einer friedlichen Zusammenarbeit aber alle Völker.“
Der ehemalige Oberbürgermeister von Köln, Jürgen Roters (SPD), mahnte, in den Anstrengungen um eine friedliche Welt nicht nachzulassen. „Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der Diktaturen in Osteuropa wurde das Wort kalter Krieg aus unserem Sprachschatz gestrichen. Ich hätte mir niemals träumen lassen, das heute wieder deutsche Panzer in Litauen auf Sichtweite russischen Panzern gegenüberstehen.“ Der Westen, so Roters, der heute führendes Mitglied des Deutsch-Russischen Forums ist, hat es Mitte der 1990er Jahre versäumt, die ausgestreckte Hand von Präsident Putin anzunehmen, ein gemeinsames Haus Europa aufzubauen. Stattdessen setzte man auf Stärke gegenüber dem geschwächten Russland, nach dem Zerfall der Sowjetunion.
Die Arroganz der Macht war wieder da. Das spürte auch Wolfgang Gehrcke, der damalige außenpolitische Sprecher der Linken im Bundestag. Wenn er ans Rednerpult ging, begleiteten ihn Zwischenrufe aus den Reihen der so genannten Volksparteien, „jetzt spricht wieder der Russe“. So wie heute ging er auch damals gelassen damit um. „Ich wünsche mir, dass es noch mehr Russen im Bundestag gäbe.“
Teilnehmer der Gespräche an der Wolga kamen auch aus dem englischen Coventry und aus Japan. Coventry und das japanische Hiroshima, die Partnerstadt von Wolgograd, markieren den Beginn bisher nicht gekannter zerstörerischer Kriegsführung: den massiven Bombenkrieg aus der Luft und den Einsatz der Atombombe. Die heutige Generation kennt Kriege solchen Ausmaßes nicht mehr. Doch dafür gibt es keine Garantie.
Ein russischer Soldat, der die Schlacht und das Massensterben von Stalingrad überlebte, ritzte in eine Häuserwand die Worte „Nie wieder Krieg“.

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