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Buchvorstellung: Klitten - ein Bildband

>> zur Buchbeschreibung

Wie nähert man sich einem Ort und seiner Menschen? Diese Frage steht am Anfang eines jeden Unterfangens, das Geschichte und Geschichten jenes Ortes und seiner Menschen, die ihn prägten und prägen aufspüren und festhalten will. Die Macher dieses Buches wählten die Form des Bildes und des zurückhaltenden Wortes. Doch das Wort ist nicht verschwunden, es ist eingegangen in das Bild.

Beim Blick auf das Bild fließt es dem Betrachter  wieder entgegen und erzählt seine eigene, ganz individuelle Geschichte. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aber die Geschichte für die ein Bild steht und die Geschichten, die sich um ein Bild ranken, sind nicht in fünf Minuten erzählt.

Da ist das Bild von dem Altar der altlutheraner Kirche im texanischen Serbin. Auswanderer aus Klitten haben ihn nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat nach dem Vorbild der Kirche in ihrer alten Heimat gestaltet. Ein Stück Klitten im fernen Nordamerika. Auf einem anderen Bild ist Jack Wiedehold mit seiner Frau zu sehen. Ein Nachfahre in der fünften Generation jener Klittener, die im Jahre 1854 mit Wehmut ihre Heimat verließen, in der sie nicht mehr frei atmen konnten. Jener Jack Wiedehold, der sich 1989 auf dem Weg nach Klitten machte, um Spuren seiner Vorfahren zu suchen und die seit über 150 Jahren verschütteten Kontakte wieder zu beleben. In diesem Sommer war er mit 35 Texanern wieder hier in Klitten. Geschichte, die das Leben schreibt. Ein Bild und so viele Geschichten. Auf einem anderen Bild ist der Landwirt Johann Junker zu sehen, der Vater des Mitautors dieses Buches Gottfried Junker. Ein bescheidener Mann, der in einer nicht ungefährlichen Situation seine Zurückhaltung beiseite legte und Mut und Größe bewies. Als 1933 die Nazis in Deutschland ihre Schreckensherrschaft errichteten, durfte die sorbische Sprache nicht in der Öffentlichkeit gesprochen werden. Dieses Verbot galt auch für den Gottesdienst. Um den Pfarrer zu schützen, predigte Johann Junker dennoch in sorbisch. Und das nicht nur einmal und niemand hat davon erfahren. Johann Junker sprach der sorbischen Bevölkerung Mut zu, ihr seid nicht allein und der Tag wird kommen, wo der Spuk ein Ende hat. Doch bis der Tag Wirklichkeit wurde, brach noch viel Leid in die Familien. In der evangelischen Kirche wurde für jeden gefallenen Klittener Soldaten ein Kranz an der Empore befestigt. Gegen Ende des Krieges wurden es immer mehr. Ein Foto nur und wieviel Geschichten voller Kummer, Schmerz und Leid. Die größte Gefahr freilich drohte dem Gemeinwesen Ende der 80-ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Klitten sollte, wie so viele Orte in der Lausitz der Braunkohle geopfert werden. Für viele Klittener eine innere Zerreißprobe, denn sie verdienten ihr Geld im nahe gelegenen Kraftwerk Boxberg, wo die Braunkohle verbrannt wird, die auch unter Klitten liegt. Im Ort rührte sich Protest. Als in Leipzig und Dresden noch niemand auf der Straße demonstrierte, stand während des Kirchentages 1988 in Görlitz auf gestapelteten Briketts zu lesen: “Betet für Klitten“.  Protest und die politische Wende retteten das Dorf. Bilder und ihre Geschichten des Alltages machen den Reiz dieses Buches aus. Die bewegte, über 700 Jahre alte Geschichte dieses Ortes hat die Menschen geprägt. Jahre der Not folgten Zeiten des Glücks. War die Verzweiflung nah, gab die Hoffnung neue Kraft. Wer in die Gesichter der Menschen verschiedener Generationen schaut erkennt das Bleibende: Die Verbundenheit zur Heimat mit ihren Wäldern und Teichen, mit Heide und mit Sand, die menschliche Wärme, auch wenn die Sonne nicht immer scheint. Der vor uns liegende Bildband ist ein Gang durch die Geschichte eines lebhaft schönen Dorfes. Wer genau hinschaut, erkennt das Band in den Bildern, das die Menschen von Generation zu Generation zusammenhält. Wo Menschen zusammen halten, ist das Gefühl von Heimat zu Hause. Heimat einzufangen ist dem Fotografen Joachim Rehle ebenso beeindruckend gelungen, wie den beiden Autoren Hans-Jürgen Berg und Gottfried Junker mit ihren einfühlsamen Texten. Mirko Markowski hat den Band auf eindrucksvolle Art und Weise gestaltet. Jetzt, wo die Arbeit getan ist und der Bildband vor uns liegt, möchten sich die Macher des Buches bei allen Sponsoren bedanken. Vor allem bei der Gemeinde Boxberg und Bürgermeister Roland Trunsch, der gemeinsam mit Hauptamtsleiter Arian Leffs und dem Ortsvorsteher von Klitten Eduard Luhmann einen gewichtigen Anteil am Erscheinen des Heimatbuches hat.


 

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